Dzogchen - Mystik offenbart den einen Urgrund
"Bede Griffiths (1906 – 1993), der Benediktinermönch und Weise (s. aJ Vol. 11), war überzeugt, daß das Wissen und die Praxis von Dzogchen das Tor ist, das direkt zur Erkenntnis der höchsten Wirklichkeit führt. 1992 führte Bede Griffiths mich in die innerste Essenz jener geheimen Lehre ein und übergab mir am 4. Dezember 1992 eines seiner letzten handgeschriebenen Manuskripte. Dieses bislang unveröffentlichte Dokument ist kostbar und so verdichtet, daß es Zeugnis ablegt von der tiefsten Quelle eines großen spirituellen Meisters des 20. Jahrhunderts."
Roland R. Ropers
Von Bede Griffiths O.S.B. *
(* Ordo Sancti Benedicti)
Dzogchen ist die Hauptlehre der Nying-ma Schule des Tibetischen Buddhismus, die als die wichtigste und geheimste Lehre des Shakyamuni Buddhas angesehen wird.
Dzogchen, was „die große Vollkommenheit“ (Dzog = Vollkommenheit, chen = groß)
bedeutet, ist ein Weg der Verwirklichung, ein Weg, um die Fülle von Weisheit und Mitgefühl zu erfahren. Die Tradition des Dzogchen wurde im 8. Jahrhundert von Padmasambhava und Vimalamitra nach Tibet gebracht und im 14. Jahrhundert von Longchenpa zu einem einheitlichen System verdichtet.
Normalerweise sind drei Übungsstufen notwendig, um die große Vollkommenheit zu erreichen. Man beginnt mit der Lehre und der Disziplin des Buddha. In der ersten Phase – Meditation oder Sutra – wird außerdem meditiert, man praktiziert Yoga, führt Rituale aus und wird in die verschiedenen Stufen des spirituellen Lebens eingeführt.
Danach kommt Tantra, die zweite Stufe. Anders als auf der Sutra-Stufe, wo man dazu neigt, die Welt hinter sich zu lassen und sich auf das Innere zu konzentrieren, beginnt man hier auf der Tantra-Stufe mit dem Körper, dem Atem, dem Blut und den Gefühlen. Es ist das Gegenteil der Sutra-Stufe. Dort läßt man alles hinter sich. Man vergißt seinen Körper, vergißt seine Gefühle und konzentriert sich auf seinen Geist (mind), der sich dem Transzendenten öffnet. Auf der Tantra-Stufe beginnt man mit dem Körper, mit den Sinnen, den Gefühlen und dem Atem – besonders dem Atem. Im Tantra beginnt man aus den Mächten des Unbewußten zu schöpfen.
Die Christen wissen im allgemeinen überhaupt nichts über diese Mächte des Unbewußten.
Unsere (christliche) Religion bleibt im bewußten Bereich, den wir ganz wunderbar entwickelt haben. Doch jenseits des Bewußten, da wo wir eins sind mit der Natur sind, gibt es das Unbewußte mit all seinen dynamischen Kräften, die ungeheuer mächtig sind, aber kontrolliert werden können. Denn man kann lernen, sie in der Natur und im eigenen Wesen (Sein) zu beherrschen.
Auf der dritten Stufe dann geht man über Meditation und Tantra hinaus und erkennt, was als der ursprüngliche Zustand, als die eigene innere Buddha-Natur bekannt ist. In christlicher Ausdrucksweise würden wir sagen: Man hat einen Körper und gelernt, einen großen Teil dieses physischen Organismus zu beherrschen. Außerdem hat man hat einen psychologischen Organismus mit Sinnen, Gefühl, Einbildungskraft, Verstand und Wille. Schließlich geht man über den Körper und über die Psyche hinaus zum Geist (spiritus im Lateinischen), dem Pneuma(im Griechischen), dem Atman (im Sanskrit), um sich dort dem Göttlichen, dem Transzendenten, dem Unendlichen zu öffnen. Das Ziel all dieses Übens ist die Öffnung zum Unendlichen und Ewigen, das in jedem Menschen und in allem ist.
(...)
Der ganze Text in: aJ, Vol. 13
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Roland R. Ropers
Von Bede Griffiths O.S.B. *
(* Ordo Sancti Benedicti)
Dzogchen ist die Hauptlehre der Nying-ma Schule des Tibetischen Buddhismus, die als die wichtigste und geheimste Lehre des Shakyamuni Buddhas angesehen wird.
Dzogchen, was „die große Vollkommenheit“ (Dzog = Vollkommenheit, chen = groß)
bedeutet, ist ein Weg der Verwirklichung, ein Weg, um die Fülle von Weisheit und Mitgefühl zu erfahren. Die Tradition des Dzogchen wurde im 8. Jahrhundert von Padmasambhava und Vimalamitra nach Tibet gebracht und im 14. Jahrhundert von Longchenpa zu einem einheitlichen System verdichtet.
Normalerweise sind drei Übungsstufen notwendig, um die große Vollkommenheit zu erreichen. Man beginnt mit der Lehre und der Disziplin des Buddha. In der ersten Phase – Meditation oder Sutra – wird außerdem meditiert, man praktiziert Yoga, führt Rituale aus und wird in die verschiedenen Stufen des spirituellen Lebens eingeführt.
Danach kommt Tantra, die zweite Stufe. Anders als auf der Sutra-Stufe, wo man dazu neigt, die Welt hinter sich zu lassen und sich auf das Innere zu konzentrieren, beginnt man hier auf der Tantra-Stufe mit dem Körper, dem Atem, dem Blut und den Gefühlen. Es ist das Gegenteil der Sutra-Stufe. Dort läßt man alles hinter sich. Man vergißt seinen Körper, vergißt seine Gefühle und konzentriert sich auf seinen Geist (mind), der sich dem Transzendenten öffnet. Auf der Tantra-Stufe beginnt man mit dem Körper, mit den Sinnen, den Gefühlen und dem Atem – besonders dem Atem. Im Tantra beginnt man aus den Mächten des Unbewußten zu schöpfen.
Die Christen wissen im allgemeinen überhaupt nichts über diese Mächte des Unbewußten.
Unsere (christliche) Religion bleibt im bewußten Bereich, den wir ganz wunderbar entwickelt haben. Doch jenseits des Bewußten, da wo wir eins sind mit der Natur sind, gibt es das Unbewußte mit all seinen dynamischen Kräften, die ungeheuer mächtig sind, aber kontrolliert werden können. Denn man kann lernen, sie in der Natur und im eigenen Wesen (Sein) zu beherrschen.
Auf der dritten Stufe dann geht man über Meditation und Tantra hinaus und erkennt, was als der ursprüngliche Zustand, als die eigene innere Buddha-Natur bekannt ist. In christlicher Ausdrucksweise würden wir sagen: Man hat einen Körper und gelernt, einen großen Teil dieses physischen Organismus zu beherrschen. Außerdem hat man hat einen psychologischen Organismus mit Sinnen, Gefühl, Einbildungskraft, Verstand und Wille. Schließlich geht man über den Körper und über die Psyche hinaus zum Geist (spiritus im Lateinischen), dem Pneuma(im Griechischen), dem Atman (im Sanskrit), um sich dort dem Göttlichen, dem Transzendenten, dem Unendlichen zu öffnen. Das Ziel all dieses Übens ist die Öffnung zum Unendlichen und Ewigen, das in jedem Menschen und in allem ist.
(...)
Der ganze Text in: aJ, Vol. 13
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