Liebe ist die einzige Autorität


Gespräch mit Ingeborg Hesse-Nowak


Das Buch von Ingeborg Hesse-Nowak „Das immerwährende Jetzt – Bericht über eine spirituelle Reise nach innen mit Willigis Jäger“* brennt, will heißen, hier spricht ein heißes wahrhaftiges Herz. Das weckte auch unser inneres Feuer. Wir wollten der Autorin begegnen und sie zum Thema Autorität befragen.
Interview? Fage-und-Antwort-Spiel in asymmetrischem Setting? Nein, es entwickelte sich ganz natürlich ein Gespräch unter Gleichen. Nachträglich bemerkte Ingeborg Hesse-Nowak: „DAS, was nicht geboren ist und daher nicht sterben kann, der Seelenfunke bei Meister Eckhart, teilt sich im JETZT und nur im JETZT mit, wenn zwei oder drei im Namen der Wahrheit zusammen sind. Ist uns DAS nicht genau geschehen?!"
Ulrike und Rüdiger Porep


aJ: Zunächst erscheint mir das allgemeine Autoritätsverständnis hier wichtig. Welche Rolle spielt Autorität in der persönlichen Entwicklung?

Hesse-Nowak: Als Kind oder Jugendlicher begegnet man von allen Seiten Autoritäten: Zuerst das Elternhaus, aber dann kommt ja wesentlich die Schule dazu, also da waren schon manche Lehrer zum Fürchten, und dann natürlich die Religion, dann die ganze Verwandtschaft, also im Grunde die ganze Gesellschaft. Jeder erzieht ja eigentlich herum oder glaubt, er könne einem jungen Menschen sagen, wo es längs geht. Wenn der junge Mensch dann genauer hinschaut, dann sieht er: Die halten sich selber gar nicht an das, was sie als selbsternannte Autorität verkünden.

aJ: Ist Autorität eigentlich damit verbunden, daß derjenige sich selbst an das hält, was er vermittelt?

Hesse-Nowak
: Ja, für mich schon, sonst wird einfach nur ein starres Muster wiedergekäut.

aJ: Ich fand das gerade wichtig: gesprochene und gelebte Autorität. Ich habe viele Predigten gehört und habe gedacht, Autorität äußert sich im WORT.

Hesse-Nowak: Ja, auch durchs Wort.

aJ: Dann habe ich einen Ausspruch von Martin Luther gelesen: Schau den Leuten nicht aufs Maul, schau ihnen auf die Fäust’. Da ging mir ein Licht auf …

Hesse-Nowak: … Autorität ist mit dem Tun verbunden, dieses Tun erwächst spontan, wurzelt also im umfassenden SEIN.

aJ: Martin Luther hat es mit dem Leben verbunden, Autorität wird gelebt. Und wenn die Predigt nicht mit dem Leben in Einklang zu bringen ist, wenn also der Prediger nicht lebt, was er verkündet, dann ist die Predigt nichts wert, dann ist es nicht die Wahrheit.

Hesse-Nowak: Dann berührt sie ja auch nicht. Wenn sich jemand einfach aufplustert, dann hört man einfach nicht mehr hin, dann wird nicht mehr wirklich zugehört. Das ist auch in der Politik ein schweres Dilemma, denn die Politiker reden eigentlich alle dasselbe, aber sie sind einfach nicht ehrlich, es ist nur leeres Gerede. Echte Autorität ist für mich verbunden mit Aufrichtigkeit, daß man auch wirklich von innen her meint, was man da sagt. Wie siehst Du das?

aJ: Aufrichtigkeit ist ein Wort, das tief wirkt. Ich hab immer Autorität an der Ehrlichkeit gemessen und merke gerade, daß das, was ich mit Ehrlichkeit meine, weniger tief geht als Aufrichtigkeit. Weil ich das unmittelbar auch körperlich spüre. Ich sehe da Martin Luther stehen im Reichstag zu Worms – auf der einen Seite die höchsten Vertreter des Reiches, auf der anderen Seite die der Kirche – wo er aufrecht steht und sagt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen“. Aufrichtigkeit ist sehr klar körperlich spürbar und mir wird jetzt ganz heiß.

(...)

Das ganze Gespräch in: aJ. Vol 12

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