Martin Luther, Bede Griffiths und Willigis Jäger. Drei Kirchenmänner ringen um die Wahrheit


von Anama Frühling

Wie in allen anderen Religionen wurde auch im Christentum im Laufe der Jahrhunderte die ursprüngliche Offenbarung und Erkenntnis verwässert und verfälscht. Der Geist unerleuchteter Nachfolger bemächtigte sich der ursprünglichen Erfahrung und des wesentlichen Wissens und machte daraus Konzepte und Gebote, die festlegten, was gut und was böse, was richtig und was falsch sei. Er organisierte sich in Machtstrukturen und verlangte von den Menschen Glauben, Gehorsam und Imitation. So führte er sie in Knechtschaft und Unterwerfung anstatt in die Freiheit und Offenheit eigener unvorhersehbarer Erfahrung. Als Institution Kirche übte er in vergangenen Jahrhunderten zeitweise eine Gewaltherrschaft aus, die nicht nur mittelalterliche Vergangenheit ist, sondern auch heute noch als Teil des kollektiven Unbewußten des christlichen Abendlandes in allen Menschen subtil ihre Wirkung tut. Dies kommt beispielhaft in der Lebensgeschichte des Benediktinermönches Father Bede zum Ausdruck, der diese Zusammenhänge erkannte und differenziert beschrieb (s.u.).

Trotz der extremen Widrigkeiten, die es für Leib und Leben bedeuten konnte, gab es zu allen Zeiten Menschen, die sich auf Grund eigener ursprünglicher Erfahrung nicht gläubig den kirchlichen Lehren unterwarfen, sondern konsequent ihren eigenen inneren Weg der Wahrheit verfolgten. Die christlichen Mystiker beispielsweise, wie Meister Eckhart, Johannes vom Kreuz, Teresa von Avila oder die islamischen Mystiker, die Sufis, wie Djallalludin Rumi machten die gleiche Erfahrung wie Jesus Christus: Ich und der Vater, bzw. Ich und das göttliche Sein sind Eins. Dafür wurden sie von den jeweiligen etablierten Kirchen zu Ketzern erklärt, ins Gefängnis geworfen und manchmal sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auch Jesus Christus starb dieser Aussage wegen am Kreuz. Die Anklage lautete: Gotteslästerung.

Einer von denen, die es wagten, sich gegen die Kirche zu stellen, um sich selbst und ihrer Wahrheit treu zu bleiben, war Martin Luther. Ihm war zwar nicht die letztendliche Erfahrung der Mystiker zuteil geworden und er verstrickte sich in ein heftiges inneres Ringen um den „wahren Glauben“, aber daß er diesen nicht in den Dogmen der Kirche finden konnte, war ihm angesichts der damals in der Kirche herrschenden Mißstände klar.
Luther wendet sich vor allem gegen den „Ablaßhandel“, mit dem amtierende Päpste, die Geld für Kriegszüge und kostspielige Bauvorhaben benötigten, den Gläubigen gegen Geld ihre Sünden erließen, nach dem bekannten Motto: „Wenn das Geld im Kästel klingt, die Seel‘ sich in den Himmel schwingt.“
Der junge Luther, der gerade im Begriff ist, Rechtsgelehrter zu werden, tritt aus Angst um sein Seelenheil in ein Kloster ein, nachdem er in einem Gewitter fast vom Blitz erschlagen worden wäre. In der dunklen Nacht seiner Seele erlebt er schwere innere Kämpfe. Er fühlt sich zutiefst als Sünder vor Gott und fürchtet dessen gerechten Zorn. Die Worte seines Beichtvaters: „Nicht Gott grollt Euch - Ihr grollt Gott“, werden ihm erst viel später in einer tiefen Erfahrung als Wahrheit bewußt.

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Der ganze Artikel in: aJ, Vol. 11

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