Die Geschichte Siddharthas


Von Barry Long

Die Geschichte Siddharthas ist die Geschichte von jedem, der
jemals den Weg nach innen zur Realität gesucht hat, der gelitten hat, um
das Sein zu entdecken, der durch die Wahrheit erleuchtet wurde und
schließlich den Weg hinaus fand.

Der Schock der Wahrheit
Stell dich der Tatsache: Es ist hoffnungslos.

Prinz Siddhartha Gautama, der zu Buddha wurde, war ein normaler Mensch wie du.
Und als Mensch war er ebenso vom Unglücklichsein befallen wie jeder vor ihm oder nach ihm. Aber er wurde erleuchtet. Er fand den Weg, der aus dem Leiden herausführt. Und seine Geschichte ist so dramatisch und unterhaltend, dass die Hauptteile davon über mehr als zweieinhalbtausend Jahre hinweg überliefert wurden und vielleicht der Hälfte der Menschheit bekannt sind. Dennoch wurde die Wahrheit dessen, was Siddhartha geschah, noch nicht gesagt. Ich werde sie sagen, und du wirst sehen, ob es die Wahrheit ist. Denn das kannst nur du wissen. Buddha ist derjenige, der die Wahrheit seiner Zeit demonstriert. Buddhi ist diejenige Instanz, die sie sieht.
Der Rest ist Ignoranz, die sich abkämpft.

Jeder Mensch ist unbewusst und unfreiwillig von Geburt an unglücklich. Das Unglücklichsein bzw. die gestresste Angst sammelt sich so allmählich und unmerklich an, dass es bzw. sie weitgehend unbemerkt bleibt und als Teil des Organismus akzeptiert wird. Es steigt auf, weil wir dauernd das Elend des Lebens in der Welt wahrnehmen und ständig an die unausweichliche Hoffnungslosigkeit unserer Lage inmitten von Krankheit, Armut, Alter und Tod erinnert werden.
Erstaunlicherweise aber blieb Siddhartha all das in seinen frühen Jahren erspart. Er war der Sohn eines despotischen Herrschers und wurde von Geburt an von der Welt abgeschirmt und vom Luxus des Palastes umhüllt. Als Kind lebte er durch die berauschte Genusssucht seines Vaters in vollkommener Bequemlichkeit. Er kannte zwar die kleineren Ärgernisse des Lebens, war aber nicht
unglücklich genug, um Angst zu kennen.

Stress und Angst sind verschiedene Komponenten, die zusammen das Unglücklichsein ergeben, das normalerweise im Menschen zu finden ist; Stress dadurch, dass er sich dem normalen Leben anpassen muss, und Angst durch die Erkenntnis seiner hoffnungslosen Lage. Stress liefert die normale Energie, die Triebfeder des Handelns in der Welt. Und Angst, die Furcht vor der Hoffnungslosigkeit, erzeugt das Ichbewusstsein bzw. die Ichbezogenheit, die unser Handeln behindert oder es selbstsüchtig macht.

Wie zu seiner Zeit üblich, wurde Siddhartha als junger Mann zum Krieger ausgebildet und besaß so die Spannung des Kampfgeistes, die zu seiner Rolle als Prinz gehörte. Er hatte indes sehr wenig Furcht oder Angst und war weitgehend frei von Ichbezogenheit und Berücksichtigung anderer, dem normalen Zwang und Irrtum einer selbstsüchtigen Gesellschaft.
Eines Tages trat er vor die Palasttore.
Zum ersten Mal in seinen 29 Lebensjahren sah Siddhartha plötzlich im Spiegel der Welt das unausweichliche Elend des Alters, von Krankheit und Tod. Er erkannte, dass es Leiden bedeutet, in einer solchen Welt der Auflösung und des Zerfalls zu leben. Ganz plötzlich wurde er mit dem Horror der Hoffnungslosigkeit des Lebens konfrontiert. Völlig unvorbereitet traf ihn der Schock mit furchtbarer Wucht. Er traf direkt in die Triebfeder der Welt seiner angesammelten Spannung, was seine Wahrnehmung in sein Bewusstsein zurückschnellen ließ. Und so erkannte Siddhartha in den folgenden Tagen die unveränderbare Realität des Lebens, welche die meisten Menschen durch die alltägliche Konditionierung in der Welt nicht sehen, nicht einmal am Ende ihres Daseins.

Er beschloss, in dieser merkwürdigen neuen Welt den Sinn des Lebens, seine essentielle Wahrheit zu finden und die Errettung der Menschheit – den Weg aus dem Leiden heraus.

(...)

Der ganze Text in: aJ, Vol. 3

Artikel kommentieren

Heft kaufen