Gangaji - der Fluß der Freiheit


Bearbeitung zweier Interviews mit Gangaji, die Veit Lindau im Oktober/November 1999 in Kalifornien geführt hat

aJ: Kannst Du mit ein paar Sätzen die Persönlichkeit von Antoinette Roberson Varner (Gangajis “bürgerlicher” Name) beschreiben, bevor sie ihrem Lehrer Papaji begegnete?

Gangaji: Bevor ich Papaji traf, befand ich mich in einer tiefen und langandauernden Suche nach Glück. Die Persönlichkeit war auf die Suche nach Liebe ausgerichtet. Ich suchte in Beziehungen nach Liebe, ich suchte im Erlangen von körperlicher Perfektion nach Liebe, ich suchte in der Achtung und Anerkennung meiner Mitmenschen nach Liebe, ich suchte in jedem Augenblick eines jeden Tages nach Liebe. Diese unablässige Suche führt zu einer sehr mit sich selbst beschäftigten Persönlichkeit. Im Mittelpunkt der Persönlichkeit standen die wahrgenommenen Bedürfnisse und Wünsche dieser Körper-Geist-Einheit. Obwohl ich also keine schlechte Person war, war ich doch eine selbstsüchtige Person. Selbstsüchtig auf eine Art, dass ich nicht in der Lage war, wirklich zu sehen.

aJ: Hast Du bewußt nach Erleuchtung gesucht?

Gangaji: Am Anfang war es mir nicht bewußt, daß ich Erleuchtung suchte. Selbst als ich das erste Mal von Erleuchtung hörte, sah ich sie als das Instrument an, welches mir vielleicht die Liebe brachte, nach der ich suchte.

aJ: Kannst Du deine erste Begegnung mit Papaji beschreiben?

Gangaji: Ich erinnere mich an Willkommen-Sein, offene Arme, ein offenes Herz und Augen, die von der Liebe des gesamten Kosmos leuchteten. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte: hier kann ich endlich stoppen. Hier kann ich ausruhen. Hier gibt es etwas, das größer ist als alles, was ich jemals irgendwo gesehen habe. Es fand in einem einfachen Raum statt, und doch war dieser Raum der Himmel für mich.

aJ: Erwachen, Erleuchtung sind vielleicht die meist benutzten Worte in Satsangs. Was bedeuten sie für dich? Ist es eine Sache von einer Sekunde und dann ist es beendet? Oder ist es ein Prozess? Kannst du Gangajis Erwachen mit Worten beschreiben?

Gangaji: Ich versuche, weder das Wort Erwachen noch das Wort Erleuchtung im Satsang zu benutzen, denn beide bedeuten so viele verschiedene Dinge für verschiedene Menschen. Worauf sie hindeuten, ist zu erkennen, dass dein eigenes Selbst schon immer gegenwärtig war. Was sie bedeuten, ist die Selbst-Erkenntnis, dass du die Gesamtheit allen Seins bist. Und dass du irgendwie, ohne es zu wissen, es doch immer gewußt hast. Ich würde sagen, es ist sowohl eine Sekunde als auch ein Prozeß. Es gab einen besonderen Augenblick, da die Selbstzweifel beendet waren, und dennoch dehnt sich die Enttarnung des Ego in jede zeitliche Richtung weiter aus. Ich habe versucht, Gangajis Erwachen mit Worten zu beschreiben und war sehr unglücklich über das Ergebnis. Ich könnte über Gefühle und Wahrnehmungen und phänomenale Begebenheiten sprechen, aber das Erwachen ist feiner, ursprünglicher und direkter als all dies. Mir scheint, dass das Lesen von Erfahrungen, die andere mit dem Erwachen gemacht haben, nur als Grundlage für Vergleiche dient, und durch dieses Vergleichen wird das an sich unvergleichliche Erwachen übersehen. Das Erwachen ist jetzt gegenwärtig - in dir, als du - ungeachtet der Gefühle. Du kannst es jetzt fühlen, wenn du aufhörst, auf bestimmte Gefühle zu warten oder nach ihnen zu suchen.

(...)

Das ganze Interview in: aJ, Vol 2

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