Das Leben lebt sich selbst - Interview mit Shantimayi


von Birgit Fittkau und Verena Peters

Shantimayi, eine spirituelle Meisterin, die auch in Deutschland immer häufiger Satsang gibt, wurde in Ohio, USA geboren. Sie wuchs in ländlicher Umgebung bei ihren Großeltern in West Virginia auf. Obwohl sie es als kleines Kind liebte, die Gottesdienste der Baptisten zu besuchen, wurde ihr die Lehre der Kirche mit zunehmender Reife zu eng. “Ich suchte etwas, doch ich war mir nicht klar, was. Die Reise dauerte lang. Hätte ich gewusst, was ich heute weiß, hätte sie nur einen winzigen Schritt erfordert: in mein eigenes Herz.”

1986 reiste sie mit einem amerikanischen Lehrer nach Rishikesh. Sie verspürte sofort tiefe Liebe zu diesem Ort, den Menschen und zum Gangesfluss. Nachdem sich ihr Weg von ihrem amerikanischen Lehrer getrennt hatte, saß sie eines Tages im Mahabalipuram-Tempel in Südindien zu Füßen einer tausend Jahre alten Statue von Nârâyana (dem Erhalter des Universums) und sagte sich: “Jetzt habe ich keinen Lehrer. Ich bin mir selbst überlassen und ich weiß nicht, was ich tun soll.” Da hörte sie innerlich: “Ich werde dich nie verlassen. Mach dir keine Gedanken, du wirst deinen Guru treffen.”

Wie sie schließlich ihren Lehrer traf, beschrieb Shantimayi in einem Interview mit der australischen Zeitschrift Nova:


Shatimayi: Zwei Jahre später, 1988, reiste ich erneut nach Rishikesh und ein Bekannter sagte zu mir: “Du sollst nach Lakshmanjhula gehen und den Heiligen im Sacha Dham Âshram sehen.” Ich machte mich sogleich auf und ging sehr schnell. Ich stieg einen hohen Berg hoch und am Tor fragte ich nach Mahârajji. Ich hatte eine Tüte Erdnüsse (!) für ihn mitgebracht. Eine alte Frau schickte mich wieder fort und sagte, ich solle in zwei Stunden wiederkommen. 1¾ Stunden später kam ich zurück und wurde zu ihm geführt. Ich schaute ihn an und mein Herz fiel ihm zu Füßen. An jenem Tag verlor ich mein Herz vollständig und konnte es nicht wiederbekommen. Er sagte, er hätte gespürt, wie ich den Berg hochgegangen wäre, um zu ihm zu kommen. Ich wusste zutiefst in meinem Innern, dass ich ihn nie verlassen würde. Und so war es auch. Ich sah in seine unschuldigen und doch kraftvollen, mitfühlenden Augen und sagte zu ihm: “Ich möchte genauso wie Du werden.” Zwei andere Swâmis saßen bei ihm und machten sich über meine Worte lustig. Er schaute tief in mein Herz und antwortete mir still: “Das wirst du.” In jenem Augenblick begann er mir seine Gnade zu schenken, um mir in Stille zu zeigen, dass wir ein und dasselbe Sein sind. In jenem Moment stahl er mein Herz: Von nun an würde es ein völlig anderes Leben sein, als wie ich es bis dahin gekannt hatte. Nichts würde mehr so sein wie früher. An jenem Abend, nachdem ich in mein Zimmer gegangen war, schrieb ich ihm einen kurzen Brief, in dem ich ihn bat, die Knoten in meinem Herzen zu durchtrennen. Ich war mir nicht unbedingt bewusst, dass es Knoten in meinem Herzen gab und ich wusste nicht recht, worum ich ihn da bat, doch ich wusste, es war stimmig. Später entdeckte ich, dass die Knoten in meinem Herzen durch die persönliche Identität zusammengehalten wurden und er sie wirklich durchtrennte. Er wollte nie, dass ich so wie er sein würde; er wusste, ich würde eins mit ihm. Er und ich sind recht verschieden, und doch sind wir eins. Bereits in den ersten zwei Wochen, nachdem ich ihn kennengelernt hatte, sagte er mir, ich würde seine Nachfolgerin.

Ich habe niemanden auf Erden so geliebt wie ich ihn liebe. Er sprach zu mir gar nicht über spirituelle Dinge. Ich legte einfach meinen persönlichen Willen ab und ließ den Meister ein, der mich in die Geheimnisse meines Selbst einweihte. Es gibt nur wenige, die die Übertragung meines Gurus angenommen haben, denn er drängt nicht. Er wartet, bis das leere Gefäß vor ihm sitzt und dann gießt er hinein.

(...)

Das ganze Interview in: aJ, Vol. 2

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