Glossar


Advaita   

Sanskrit: Nicht-Zweiheit, die nur Gott oder dem Absoluten zugeschrieben werden kann; er ist dem Verstand nicht zugänglich, da das ego-gebundene Denken des Wachzustandes aus der Dualität der Subjekt-Objekt-Beziehung nicht herauszutreten vermag. Der Begriff bekommt für den Westen auch Bedeutung durch die neuesten Erkenntnisse der Atomphysik.

Advaita Vedanta   

Sanskrit; der nicht-dualistische Aspekt der auf innerer Schau beruhenden ‚Lehre’ des ï‚® Vedanta, dessen wichtigste Vertreter Shankara und Gaudapada sind. Nach dem AV wird das Absolute durch die veränderliche Erscheinung der Welt nur aufgrund unvollständiger Wahrnehmung überlagert, ohne sich jedoch dadurch wirklich zu verändern. So wie die moderne Physik bei der Untersuchung der subatomaren Teile herausfand, daß die Materie aus ständig in Bewegung befindlichen Kraftfeldern von Energie besteht, so erkannten die Weisen (Rishis) des Advaita, daß die Wirklichkeit aus Energie in Form von Bewußtsein besteht und der Mensch durch ego-bedingte Körperidentifizierung mit grobstofflichen Sinnesorganen ein grobstoffliches Universum wahrnimmt. Etwas Wirkliches, Unveränderliches wird vom Denken überdeckt mit der Vorstellung einer sich ständig verändernden Erscheinungswelt aus Namen und Formen.

Alchemie

auch Alchimie oder Alchymie, mittellat. Alchimia gilt als die Vorform der Chemie als Naturwissenschaft. Anders als die moderne Chemie, die in Elementen untrennbare Grundstoffe der Materie sieht, ging die Alchemie von der Möglichkeit aus, einen Grundstoff in einen anderen überführen zu können. Ziel der Alchemie ist die Verbindung der eigentlich unvereinbaren Elemente Feuer (männlich) und Wasser (weiblich). Die Verschmelzung der Gegensätze im Sinne einer Wandlung vom Niederen zum Höheren entspricht der Suche nach tiefster Weisheit, bei Gelingen ist das Ergebnis der Stein der Weisen. Alle Begriffe können materiell, aber auch und vor allem metaphorisch für geistige Prinzipien verstanden werden.

Androgynie

(gr. andro- von ανήρ, gen.: ανδρος = Mann, -gyn von γυνή = Frau), weibliche und männliche Merkmale vereinigend; in der Biologie: zwittrig. Als androgyn wird ein Mensch dann bezeichnet, wenn er sekundäre Geschlechtsmerkmale des anderen Geschlechts aufweist. In vielen Schöpfungsmythen werden die menschlichen Wesen als androgyn beschrieben.

Askese

(griech.: üben, sich befleißigen) ist der Verzicht (Abstinenz) auf Genuß, häufig verbunden mit Konzentration auf bestimmte geistliche Übungen, die dem Erlangen eines als höherwertig/innerlich befriedigender erachteten, normalerweise religiösen, Zieles dienen. Askese basiert grundsätzlich auf einer freien Entscheidung und ist eine bewußte und besondere Leistung - ein Asket verzichtet, aber er dürfte, wenn er wollte. Askese ist nicht der Verzicht auf von der Allgemeinheit als überflüssig Entlarvtes, sondern beinhaltet immer den Verzicht auf etwas, das vom sozialen Umfeld als angemessen angesehen wird.

C(h)akra

(Sanskrit, n., wörtl: Rad, Kreis, Scheibe, Ring); Bezeichnung für die Zentren feinstofflicher Energie im Energieleib des Menschen; sie sammeln, transformieren und verteilen sie durchströmende Kraft. Sieben der C(h)akras werden als Hauptenergiezentren des Menschen angesehen und sind entlang der Wirbelsäule bzw. senkrechten Mittelachse des Körpers angeordnet. Diese Verbindungsstellen stellt man sich als trichterförmig mehrere Zentimeter über die Körperoberfläche hinausragend vor. Ihre Drehrichtung wechselt auf jeder Stufe und ist bei Frau und Mann jeweils entgegengesetzt. Sie sind durch den zentralen Kanal für die Kundalini-Kraft verbunden. Die verschiedenen philosophischen Systeme variieren bezüglich Details wie Anzahl und genauer Lokalisation der C(h)akras. Die C(h)akras sind jedoch immer Orte, an denen Seelisches und Körperliches ineinander übergehen und sich durchdringen als Manifestation der Shakti.

Darshan        

Sanskrit: „Erblicken, sehen, treffen, das Göttliche in der Form sehen“.
Bezeichnet in der Regel das Zusammentreffen mit einem verwirklichten    Lehrer, bei dem Einblick in die Wahrheit geschieht.

Enneagramm    

Ein esoterisches Symbol, daß im Westen zuerst in der Arbeit des armenischen Mystikers G.I. Gurdjieff (1865-1949) auftauchte. Gurdjieff bezeichnete das Enneagramm als ein universelles Symbol, das die Gesetzmäßigkeiten des Universums beinhaltet. Seit Ende der sechziger Jahre ist das Enneagramm durch den bolivianischen Mystiker Oscar Ichazo, sowie durch einen seiner ursprünglichen Schüler, den chilenischen Psychiater und spirituellen Lehrer Claudio Naranjo bekannt geworden. Sie verwandten das Enneagramm, um Egostrukturen mit spezifischen kognitiven und emotionalen Störungen abzubilden.

Geist    

Geist wird häufig als Übersetzung des englischen mind verwendet. Synonyme u.a.: Ego, Ich, denkender Geist, Verstandes-Geist, Körper-Verstand-Mechanismus. Geist bezeichnet ein Konstrukt aus inneren (und projizierten äußeren) Ideenwelten, die aus der Identifikation des reinen Bewußtseins mit dem Ich-Gedanken hervorgegangen sind. Die Verwechslung dieser Ideenwelten mit der Realität bringt menschliches Leiden hervor. Ramesh S. Balsekar führte die hilfreiche Unterscheidung zwischen dem denkenden Geist und dem arbeitenden Geist ein. Der denkende Geist lebt aus der Erinnerung und plant seine Zukunft, um der Leere zu entkommen. Dieser Zeitstrom wird in Tausenden von Ich-Gedanken täglich wiederholt. Der arbeitende Geist erledigt die anstehenden Aufgaben und organisiert die gegenwärtige Arbeit, die ein Mensch zu verrichten hat. Er ist der Träger menschlicher Intelligenz.

Guru    

Sanskrit; wörtlich „Vertreiber der Dunkelheit“. Lehrer geistiger Disziplinen auf dem Wege zur Selbsterkenntnis, insbesondere der spirituelle Meister. Die Hindutradition unterscheidet verschiedene Guru-Stufen. Auch Eltern oder weltliche Lehrer werden als Gurus bezeichnet.

Hedonismus

Unter Hedonismus (griech. hedone, „Lust”) wird allgemein eine philosophische Strömung verstanden, die die Lust als höchstes Gut und Bedingung für Glück und gutes Leben setzt. Dabei wird zwischen leiblicher und geistiger Lust unterschieden, wobei das Streben nach leiblicher Lust einem zeitlich früheren Reifungszustand entspricht.

Hermaphrodit

Das Wort Hermaphrodit leitet sich von Hermaphroditos ab, einer Figur aus der griechischen Mythologie. Ovid beschrieb in seinen "Metamorphosen", wie aus dem Sohn Aphrodites und Hermes' durch dessen unauflöslich innige Umarmung der verliebten Nymphe Salmakis ein zweigeschlechtliches Wesen entstand.

Holon

Der Begriff Holon (von griech. á½…λος, hólos und á½€ν, on „ganzes Seiendes“) bedeutet ein Ganzes, das Teil eines anderen Ganzen ist. So ist z. B. eine Zelle für sich ein Ganzes, jedoch Teil eines umfassenderen Ganzen, eines Organs, das wiederum Teil des Körpers ist. Wenn man sich ein holares System als Schichtmodell vorstellt, ist seine besondere Eigenschaft, daß jede einzelne Schicht lediglich sich selbst zu reflektieren vermag, jedoch in der Lage ist, seine untergeordnete(n) Schicht(en) zu transzendieren. Dabei ist jedes Holon stets bestrebt autonom zu bleiben.

Kymische (chymische) Hochzeit

In der Alchemie (s.o.) meint die chymische Hochzeit die Vereinigung der Gegensätze. Beim Meisterstück der Alchemie, der Herstellung des Steins der Weisen, ist eine der nötigen Operationen die coagulatio der Materie, die Gerinnung unvereinter Stoffe in chymischer Hochzeit. Dieser Prozeß wird allegorisch z.B. durch (zweigeschlechtliche) Androgyne (s.o.) dargestellt.

Meditation        

Latein; Verweilen in der Mitte, das unbegrenzte und von äußeren
Bedingungen unabhängige Verweilen in der Stille des -> No-mind. Der
Begriff wird oft auch für bestimmte vorbereitende Übungen und Techniken verwendet.

Monastisch

einer mönchischen Lebensform entsprechend. Dem Ursprung nach von griechisch monos = allein, weil sich das Mönchtum aus alleinlebenden Einsiedlern oder Asketen entwickelt hat. Mittlerweile bezeichnet das Adjektiv monastisch all das, was die mönchische Lebensform von anderen abhebt oder was diese Lebensform im geschichtlichen Rückblick betrachtet eigenständig hervorgebracht hat.

No-mind   

Englisch; dieser Begriff bezeichnet den scheinbaren Widerspruch eines
Geisteszustandes, in dem der denkende Geist abwesend ist, ein „geistloser Zustand“ reiner Intelligenz. Er beschreibt den natürlichen Zustand der Meditation ohne einen Ich-Gedanken.

Satsang        

Sanskrit: sat bedeutet Sein, Wirklichkeit, Existenz. Das, was keinen
Wandel erleidet. sanga bedeutet Zusammenkommen, Treffen, Kontakt. Satsang(a) steht für die Gemeinschaft der Gotthingegebenen, für den guten Umgang, besonders inspiriert durch die Gegenwart eines Verwirklichten.

Selbst    

Sanskrit: atman, „Verzehrer von Gedanken“; das unsterbliche Selbst des Menschen; das ursprüngliche, göttliche Wesen, die Ur-Natur, die allen Menschen eigen ist. SEIN, Bewußtsein, Glückseligkeit.

Vedanta   

Sanskrit; Zusammensetzung aus veda: Wissen, Heilige Lehre und anta: Ende; das Ende, d.h. die Schlußbetrachtungen der Veden. Drei Hauptzweige haben sich im Vedanta herausgebildet: 1. Der Advaita-Vedanta (Nicht-Dualismus), dessen wichtigster Vertreter Shankara ist; 2. der Vishishtadvaita-Vedanta (eigenschaftsbehafteter Nicht-Dualismus), dessen Hauptvertreter Ramanuja ist; 3. Der Dvaita-Vedanta (dualistischer Vedanta), dessen Hauptvertreter Madhva ist.

Yin / Yang

Begriffspaar aus der chinesischen (Natur-)Philosophie, insbesondere dem Taoismus. Bei Yang handelt es sich um das männliche Prinzip Himmel/Feuer/Energie/Bewegung/Aktivität, bei Yin um das weibliche Prinzip Erde/Wasser/Materie/Stillstand/Passivität. Der Übergang von Yin zu Yang ist dabei fließend, zudem enthält das eine das andere (s. Yin/Yang-Symbol); sie sind letztlich untrennbar und zusammen Eins.

Zen   

Japanisch; eine Abkürzung des Wortes “Zenna” (auch “Zenno”), der japanischen Lesart des chinesischen “Ch’an-na” (abgekürzt “Ch’an), das wiederum die Übertragung des Sanskrit-Wortes “Dhyana” ist und die Sammlung des Geistes und die Versunkenheit bezeichnet, in der alle dualistischen Unterscheidungen wie Ich/Du, Subjekt/Objekt, wahr/falsch aufgehoben sind. Zen läßt sich exoterisch und esoterisch definieren: Exoterisch gesehen, ist Zen eine Schule des Mahayana-Buddhismus, die sich im China des 6. Und 7. Jh. aus der Begegnung des von Bodhidharma nach China übermittelten Buddhismus mit dem Taoismus entwickelte. Als solche ist Zen eine Religion, deren Lehren und Praktiken darauf gerichtet sind, zur Selbst-Wesensschau (Satori) und schließlich zum vollen Erwachen (Erleuchtung) hinzuführen. Wie keine andere Schule des Buddhismus betont das Zen die Vorrangigkeit der Erleuchtungserfahrung und die Nutzlosigkeit von rituellen religiösen Übungen und intellektueller Auseinandersetzung mit der Lehre für die Erlangung der Befreiung (Erleuchtung). Esoterisch gesehen, ist Zen keine Religion, sondern die nicht definierbare, nicht vermittelbare, von jedem einzelnen nur für sich selbst erfahrbare Wurzel – frei von jeglichen Namen, Bezeichnungen und Begriffen - , aus der als Ausdrucksform dieser Erfahrung alle Religionen erst entspringen. In diesem Sinne ist Zen an keine religiöse Tradition, auch nicht an die buddhistische, gebunden. Es ist die von den großen Weisen, Heiligen und Religionsstiftern aller Zeiten und Kulturen erfahrene und mit den verschiedensten Namen bezeichnete “Ur-Vollkommenheit” alles Seienden.